Wer ein neues Typenschild anfertigen muß, kommt um die Prägung nicht herum.
Hier geht es um die Prägung von Zahlen, nicht von Buchstaben, auch wenn dieses Vorgehen weitestgehend identisch sein sollte (für ein Schriftbild mit Buchstaben sind ggf. jedoch variable Zeichenabstände vorzusehen, damit es wirklich gut und „flüssig“ aussieht. Bei Zahlen fällt ein „statischer“ Abstand nicht so sehr auf, bzw. entspricht dem historischen Vorbild). Es geht auch „nur“ um die Prägung des Typenschilds. Schlagzahlen gibt es natürlich auch für Rahmen- oder Motornummern, hier ist aufgrund der fehlenden „Geometrie“ in Form von Bezugsgrößen aber bestimmt ein anderes Vorgehen besser.
Geschichte
Typenschilder wurden früher aus dünnen geprägten oder bedruckten Aluminiumplättchen bereitgestellt. Die fahrzeugspezifischen Daten (wie Fahrgestellnummer oder Baujahr) wurden in der Fabrik oder spätestens beim TÜV mit der Hand mit Schlagstempeln eingeschlagen. Bei noch älteren Vorkriegsmaschinen oder bestimmten Herstellern (oft im britischen oder italienischen Raum) wurden auch Messingbleche verwendet, bei denen die Beschriftung oft geätzt oder tiefengraviert war. Die Schilder wurden aus Sicherheitsgründen (damit man sie nicht mal eben austauschen kann) mit Kerbnägeln oder Blindnieten fest in den Rahmen geschlagen, es gibt aber auch geschraubte Varianten (z.B. BMW R25/2 aus dem Baujahr 1953).
Hersteller versahen die Rahmennummer manchmal mit einer „Beginn-“ und „Ende-“ Prägung, um eine nachträgliche kriminelle Korrektur zu erschweren:
Neben den Schlagstempeln kam im Rahmen der industriellen Automatisierungen auch das „Nadeln“ zum Einsatz. Dabei führte der Arbeiter mit Hilfe einer Schablone in einem „Pantograph„, um den Vibrationsstichel für das Typenschild zu bewegen. Später wurde das Verfahren auch per Computer (CNC) eingesetzt (ab Beginn der 1980er). In der Abbildung handelt es sich daher um ein Typenschild, das ohne Computer genadelt wurde. Man erkennt das an der unregelmäßigen Lochung, die durch die Geschwindigkeit bestimmt wurde, mit der der Arbeiter das Muster im Pantograph abtastete.
Heute gibt es Kunststofffolien, die sogar mit Kugelschreiber beschriftet werden dürfen und nicht mehr zerstörungsfrei vom Motorrad entfernt werden können.
Selber prägen mit Schlagzahlen
Bestmögliche Voraussetzung ist ein planes Schild, sollte es bereits am Gabelholm montiert gewesen sein, muss es in eine plane Variante überführt werden, sprich glattgebogen werden. Schlagzahlen zum Beispiel im montierten Zustand des Typenschilds zu verwenden, kann aufgrund des Radius nicht mehr wirklich gut gemacht werden, ausser vielleicht mit viiiiel Erfahrung.
Nun braucht man auch ein Schlagzahl-Set. Die gibt es für einen schmalen T(h)aler zum Beispiel bei großen Online-Versandhändlern (dass diese nicht die besten sind, stellt sich später heraus). Typische Größen sind 3mm oder 4mm (für Typenschilder), in meinem Fall waren 4mm für mein Typenschild zu groß, so daß ich mich für 3mm entschieden habe. Aber nicht nur bei der Größe gibt es Unterschiede! Auch das Schriftbild der alten Zahlen unterscheidet sich gegenüber den heute erhältlichen Sets bei großen Versandhändlern. Hier ist im Falle eines Falles mehr Recherche zur Beschaffung eines passenden Sets notwendig.
Erstmal üben…
Zuerst habe ich die „Wucht“ des Schlages getestet an einem 1mm Alublech. Die Prägung sollte beim erstenmal perfekt „sitzen“, das nochmalige Ansetzen in den zuvor schlecht geprägten Riefen ist nahezu unmöglich und führt zu „Schattenbildern“, die im blanken Alu zuerst nicht schlimm aussehen, aber spätestens beim Ausfüllen mit Farbe zu unlesbaren Zahlen führen. Außerdem muss bedacht werden, dass die notwendige „Wucht“ für 1mm Alu eine viel größere ist als in dem dünnen Blech des Typenschilds. Wendet man die gleiche Kraft am späteren Typenschild an, führt das zu hässlichen Verformungen, insbesondere am Rand des Schilds, die sichtbar werden. Es ist also eine nicht ganz einfache Aufgabe, die notwendige Kraft zu ermitteln, wenn man nicht die exakt gleichen Materialien zum Testen hat.
Die Qualität der Schlagzahlen
Ich habe dummerweise nur mit einer zufälligen Auswahl von Zahlen getestet, ohne alle von mir benötigten Ziffern durchzutesten. Hätte ich das getan, hätte ich die mangelnde Qualität der Schlagzahlen vor der finalen Prägung bemerkt: Die Zahlen saßen auf dem Prägestift nicht zentriert, da hilft das beste Ausrichten nicht.
Hier die Vier, die von der Größe überhaupt nicht passte. Da ich sie für mein Vorhaben nicht brauchte, habe ich sie toleriert:
Auch andere Zahlen waren nicht auf dem Schlageisen zentriert, das habe ich leider zu spät bemerkt. Vielleicht habe ich auch ein gebrauchtes Exemplar zugesandt bekommen, das ein wenig „malträtiert“ wurde. Das Ergebnis ist in solch einem Fall trotz Einsatz einer Schablone ein schiefes Schriftbild.
Der Abstand der Schlagzahlen
Buchsetzer wissen, dass Buchstaben für ein schönes Schriftbild unterschiedliche Abstände zueinander haben müssen abhängig von der Buchstabenkombination. Bei Schlagzahlen ist das im Prinzip nicht anders: Eine 1 braucht zu seinem Vorgängerzeichen einen geringeren Abstand als eine 7. Diese Abstände wurden von einem erfahrenen Präger, der das manuell machte, möglicherweise berücksichtigt und das geht sicherlich noch heute. Aber der Einfachheit halber habe ich ein festes Maß zwischen den Schlagzahlen gewählt. Bei einer Schriftgröße von 3mm habe ich einen Zahlenabstand von 2,3mm gewählt. Andere empfehlen z.B. bei 4mm Höhe einen Abstand von 2,6mm.
Der Schlag in zwei Ebenen
Um die Zahl vernünftig zu prägen, sind rechte Winkel in zwei Raumebenen nötig. Sitzt eine schief, wird aus einer Acht eine Drei oder aus einer Sieben eine Eins usw. Eine nachträgliche Korrektur ist schwer möglich.
Die Schablone
Natürlich liegt es nahe, sich einen Anschlag zu basteln, um die Schlagzahlen in der gleichen Höhe zu platzieren. An diesem Anschlag kann auch der Zeichenabstand markiert werden. Ich habe mir dazu ein Papierausdruck mit Linien im Abstand von 2,3mm im rechten Winkel auf ein Alu-U-Profil geklebt. Damit hatte ich schon mal den Abstand und eine horizontale Führungslinie. Nun brauchte es ein zweites Aluprofil, um die Schlagzahl in der vertikalen Richtung auszurichten. Auch das ist unproblematisch mit einem zweiten L-Profil. Diese zwei Hilfslinien sollten eigentlich ausreichen, um erfolgreich zu prägen: Man drückt den Prägestempel plan an die horizontale Führungslinie und vertikal an die seitliche Führung. Beide sind im 90Grad-Winkel ausgerichtet und sollten den „perfekten Schlag“ ermöglichen.
Die Unterlage zum Schlagen
Mein Gedanke war, eine möglichst harte Unterlage zu nutzen (in meinem Fall eine 2cm dicke Eisenplatte), auf die das Typenschild möglichst plan aufgelegt wird. Dadurch sollte das Typenschild von hinten weiterhin plan bleiben und sich perfekt an den späteren Montageort am Lenkkopf „anschmiegen“, denn das Material kann nicht nach hinten weg, sondern soll sich seitlich ausdehnen. Das tat es auch, aber leider unerwartet… Vielleicht wäre eine etwas weichere Unterlage eine Alternative: In dem Fall weicht das Material beim Schlagen nach unten aus und verformt das Schild nicht in seinen Aussendimensionen.
Das Ergebnis
Nun ja, verbesserungswürdig: Die Rahmennummer wurde von links nach rechts geschlagen und man sieht, dass die Schildkante nach rechts durch Materialverdrängung ausläuft. Trotz Schablone wurde es nicht wirklich super. Auch die Drei im Baujahr ist horizontal nicht ausgerichtet. Das liegt daran, dass der Verkäufer des Schildes bereits die „195“ (gelasert?) ausliefert. Ich hatte keine Bezugskante, um meine Drei ohne Testschlag auszurichten, ohne weitere Experimente zuvor zu starten.
Alternativen
Ich habe eine kleine 3080-Fräse, damit hätte ich es mit einem Stichel auch probieren können. Mit Fräsen von dünnem Alublech habe ich allerdings keine Erfahrung, die Einrichtung der Fräse war mir auch zuviel Aufwand. Aber es wäre sicherlich eine Alternative. Ätzen ist auch denkbar, aber braucht mit den im Handel befindlichen Typenschildern (die teils bereits vorausgefüllt sind) sicherlich auch Tests, um die bestehende schwarze Eloxierung nicht mit abzutragen. Lasern geht vielleicht auch, hier fehlen mir die Testmöglichkeiten.